„Schmeckt nach Heimat“ Streuobst 2.0 – interaktiver Lehrpfad in Heroldingen eröffnet
„Schmeckt nach Heimat“ – beim herzhaften Biss in einen Apfel der Sorte Jakob Fischer erinnert sich Dr. Reinhard Bader, Amtsleiter des AELF Nördlingen-Wertingen, an den Geschmack der eigenen Kindheit. Und mit ihm wohl auch einige andere der rund 50 Teilnehmenden an der ersten Führung auf dem neuen Streuobstlehrpfad in Heroldingen. Bei strahlendem Sonnenschein erkunden sie gemeinsam mit Streuobstexperte Ralf Hermann Melber den rund einen Kilometer langen Lehrpfad, der am Spielplatz nahe der Riedgasse seinen Anfang nimmt. In Kooperation mit der LEADER-Region LAG Monheimer Alb-AltmühlJura, dem UNESCO Global Geopark Ries, dem Landratsamt Donau-Ries, dem KulturLand Ries e.V., der Stadt Harburg und den Obstbaumfreunden ist auf vorhandenen Wegen und unter Nutzung des intakten, städtischen Streuobstbestandes ein innovativer Lehrpfad entstanden. „In enger Abstimmung auch mit Schäfer und Landwirten“, wie Initiator Ralf Hermann Melber vom Verein KulturLand Ries betont. Im Rahmen des EU-Förderprogramms LEADER unterstützte der Freistaat Bayern das Projekt mit 2.500 Euro aus dem Sondertopf „Unterstützung Bürgerengagement“.
Zusammen mit seiner Frau hat Melber unter der großen Informationstafel am Spielplatz eine Probierstation aufgebaut, an der nicht nur verschiedene Apfel- und Birnensorten in frischer und getrockneter Form, sondern auch Zwetschgen und Nüsse aus heimischen Beständen verkostet werden können. „Das ist ein Stück Apotheke“, betont Melber beim Rundgang immer wieder, etwa als er auf den hohen Vitamin-C-Gehalt der rund 160 Jahre alten Apfelsorte „Transparent von Croncels“ oder die wertvollen Fettsäuren in Walnüssen hinweist. Auf Sortenschildern werden die Eigenschaften der einzelnen Obstsorten beschrieben, während entlang des Weges Informationstafeln wertvolles Wissen über klimaresiliente Landschaften, heimisches Superfood, die Pflege von Streuobstbestäden und vieles mehr bereithalten. Das Maskottchen Apfelix gibt auch für Kinder ansprechende Zusatzinformationen. Dass das Projekt generationenübergreifend Zuspruch findet, zeigt die Teilnahme der örtlichen Jugendgruppe. Sie hatte bei einer „Baumpflanzchallenge“ nach einer Sortenempfehlung von Melber einen Obstbaum gepflanzt und kümmert sich seitdem um diesen.
Landrat Michael Dinkelmeier, zugleich Vorsitzender des Geopark Ries e.V., zeigt sich dankbar und begeistert darüber, was in starker Gemeinschaft und ehrenamtlichem Engagement geschaffen wurde: „Jedes Förderprogramm lebt nur dann, wenn es von Menschen mit Leben gefüllt wird.“ Auch Bader, dessen Amt für die Betreuung von sieben Lokalen Aktionsgruppen in Nordschwaben zuständig ist, weiß die Bedeutung des EU-Förderprogramms LEADER für die Entwicklung des ländlichen Raumes zu schätzen: „LEADER geht von den Menschen in der Region aus. Vor Ort werden Lösungen gefunden und Entscheidungen getroffen.“ So diene auch dieses Projekt der Lokalen Entwicklungsstrategie in der LAG Monheimer Alb-AltmühlJura und trage zur Resilienz der Region bei, wie LAG-Vorsitzende Anita Ferber bekräftigt. Harburgs Bürgermeister Christoph Schmidt nennt die Entstehung des Obstlehrpfades einen „Schlüsselmoment, der das Bewusstsein dafür schärft, welche Schätze wir hier haben“ und dankt allen Beteiligten für die gute Zusammenarbeit. Für Melber dient der Obstlehrpfad nicht nur der Vermittlung und dem Erhalt von Wissen, sondern auch als Versuchsstation für den Obstbaumanbau der Zukunft: Welche Bäume können mit dem Klimawandel umgehen? Worauf ist bei der Baumpflege zu achten? Und warum haben es Birnbäume momentan schwer? Die Erkenntnise daraus fließen in ein nationales Netzwerk des fachlichen Austausches ein und entfalten dadurch auch überregionale Zukunftswirkung.









