Wie sieht der Dorfladen von morgen aus?
Unter dem Motto „Hybrid in die Zukunft“ haben die Dorfladen Tagmersheim UG und die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Monheimer Alb-AltmühlJura Dorfladenbetreiber sowie weitere Akteure aus der ländlichen Nahversorgung zu einer Podiumsdiskussion nach Tagmersheim eingeladen. Der dortige Dorfladen soll mit EU-Fördermitteln aus dem LEADER-Programm um ein hybrides Zugangskonzept erweitert werden, das selbstständiges Einkaufen auch außerhalb der personell besetzten Öffnungszeiten ermöglicht. Vertreter verschiedener Nahversorgungskonzepte plauderten aus ihrem Einkaufskorb voller Erfahrungsschätze und sorgten mit viel Fachwissen, einigen überraschenden Erkenntnissen und humorvollen Anekdoten für einen unterhaltsamen und lehrreichen Abend.
Georg Schnell (3.v.r.) begrüßte die Gäste im Namen der Dorfladen Tagmersheim UG und stellte ihnen zunächst den seit 2015 bestehenden Dorfladen vor. Er erläuterte das geplante Vorhaben: „Wir wollen unseren Kunden damit flexiblere Einkaufsmöglichkeiten bieten und den Dorfladen für die Zukunft rüsten.“ Dies unterstrich Tagmersheims Bürgermeister Lothar Behringer: „Wir unterstützen das Projekt sehr gerne, denn der Dorfladen wird als sozialer Treffpunkt immer wichtiger.“
Die anschließende Podiumsdiskussion moderierte LAG-Managerin Melanie Pruis-Obel. Sie betonte, dass eine gute Nahversorgung entscheidend zur Stärkung der Ortsmitten und zur Lebensqualität im ländlichen Raum beitrage und deshalb auch in der lokalen Entwicklungsstrategie der LAG eine wichtige Rolle spiele. Neben Georg Schnell begrüßte sie Vertreter dreier weiterer Nahversorgungskonzepte auf dem Podium: „Sie alle eint der starke Wille, sich den Herausforderungen zu stellen und die Zukunft der ländlichen Nahversorgung aktiv anzugehen.“ David Scheiner, Geschäftsführer des seit dem Jahr 2000 bestehenden Dorfladens Megesheim und damit eines der ältesten Dorfläden im Landkreis Donau-Ries, berichtete von den Erfahrungen mit einem neuen Angebot: Im vergangenen Jahr wurde dort eine Selbstbedienungsmöglichkeit mit Zugangskarte eingeführt – mit Erfolg. Scheiner verzeichnet seitdem ein Umsatzplus im zweistelligen Bereich. „Die umsatzstärksten Tage im SB-Bereich sind Sonn- und Feiertage“, berichtete er. Das Angebot werde auch von Kunden außerhalb des Ortes genutzt. Eine Besonderheit: Bereits ab 14 Jahren können Jugendliche eine eigene Zugangskarte erhalten. Sie nutzten diese Möglichkeit rege und lernten dabei zugleich, selbstständig einzukaufen.
Auch der Dorfladen Gungolding im Landkreis Eichstätt kann eine positive Bilanz ziehen. Geschäftsführerin Regina Wilding informierte, dass bereits 16 Monate nach der Eröffnung im Jahr 2025 der 50.000. Einkauf verzeichnet worden sei. Nur wenige Monate nach dem Start wurde das Angebot um einen hybriden Zugang erweitert, der sich ebenfalls bewährt habe. Um den Kundinnen und Kunden den Einstieg in den personallosen Verkauf zu erleichtern, bot das Team begleitete Testzeiten an. Darüber hinaus sorgen Veranstaltungen, Kinderprogramme und weitere kreative Aktionen dafür, den Dorfladen fest im Dorfleben zu verankern. Besonders beeindruckt zeigte sich Wilding von der Verbundenheit der Menschen mit der Einkaufsmöglichkeit am Wohnort: „Die Wertschätzung, die man im Dorfladen erfährt, ist der Wahnsinn.“
Dass innovative Nahversorgung auch ganz anders aussehen kann, zeigte Helmut Linner, Betreiber der LiLa-Box und des LiLa-Mat in Langenaltheim. Er räumte mit dem Vorurteil auf, kleine Läden auf dem Land würden ihre Waren zu „Tankstellenpreisen“ anbieten: „Wir haben die gleichen Preise wie bei Edeka.“ Die Aussage sorgte für Erheiterung im Publikum – schließlich betreibt Familie Linner selbst ein Autohaus mit Tankstelle in Langenaltheim. Nachdem vor einigen Jahren der letzte Lebensmittelladen im Ort schließen musste, nahm die Familie die Nahversorgung selbst in die Hand und eröffnete einen „24/7 Smart Store mit frischen Lebensmitteln und mehr“. Dort finden Kunden inzwischen mehr als 2.000 Produkte für den täglichen Bedarf. Gemeinsam mit seinem Sohn entwickelte Linner zudem eine eigene, passgenau auf den Betrieb zugeschnittene Lösung für das digitale Zugangssystem. „Es steckt so viel Herzblut drin“, betonte er.
Im anschließenden lebendigen Austausch, bei dem auch viele Fragen vom aufmerksamen Publikum gestellt wurden, standen die Chancen und Herausforderungen hybrider Nahversorgungskonzepte im Mittelpunkt. Diskutiert wurden unter anderem die Vor- und Nachteile verschiedener Zugangssysteme und Kontrollmöglichkeiten, die Warensicherung und der Warenschwund, der Personalbedarf sowie die Umsatzentwicklung. Auch veränderte Kundenbedürfnisse kamen zur Sprache – etwa der Wunsch nach einem Einkauf in ruhiger Atmosphäre, dem sogenannten „Silent Einkaufen“.
Zum Abschluss des kurzweiligen Abends zog Georg Schnell ein positives Fazit: „Der Abend hat für uns Dorfladenbetreiber wirklich viel gebracht, der Austausch von Erfahrungsschätzen ist ungemein hilfreich.“ Die Diskussion machte deutlich, wie vielfältig die Wege zu einer zukunftsfähigen Nahversorgung sein können – und wie wertvoll es ist, voneinander zu lernen.







